29.04.2019 11:49 Alter: 27 days

30 Jahre Kleinterrassenbau in der Ortenau

Förderung von Artenvielfalt in Flora und Fauna / Besserer Wasserrückhalt und schöne Landschaften

Einfacheres Arbeiten im Weinberg und damit Kosteneinsparungen, Aufwertung der Kulturlandschaft sowie eine größere Artenvielfalt in Flora und Fauna sind Ergebnisse des modernen Kleinterrassenbaus in der Ortenau. 30 Jahre Erfahrung im Kleinterrassenbau waren Anlass für eine Expertenrunde auf dem Hof von Franz Benz in Oberkirch-Bottenau.

„Seit 30 Jahren pflegen wir Biodiversität. Sie wird von den Ortenauer Winzern gelebt“, unterstrich der Vizepräsident des Badischen Weinbauverbands, Franz Benz. Durch Terrassierung kommt der Winzer weg von der ganzflächigen Bodenbearbeitung der Steillagen. Die Böschungen werden nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht. So bieten sie sehr schnell Platz für eine vielfältige Fauna und Flora. Die steilen Hänge erwärmen sich schnell und sind somit Lebensraum für vielfältige Tierarten. Standorttypische Kräuter und Gräser entwickeln sich, halten die Böschung standfest und bieten den Weinbergbesuchern ein buntes Bild. Wie wertvoll die Kleinterrassierung ist untersucht derzeit die Universität Geisenheim im Rahmen des Projektes BioQuiS – Förderung der Biodiversität durch Querterrassierung im Steillagenweinbau. Über das Projekt berichtete Doktorant Timo Strack. Es werde untersucht was sich im Weinberg ändert, wie es mit dem Wasserrückhalt steht, wie sich die Rebengesundheit entwickelt. Verschiedene Ansaattechnik, Saatgutauswahl und Böschungspflege werden untersucht. Das Thema Wasserhaushalt ist vor dem Hintergrund der Klimawandels ein großes Thema. Das Plateau der Kleinterrasse bietet einen besseren Rückhalt für das Wasser, besonders wenn es zu Starkregen kommt, berichtete Strack. Die Freude über baldige Daten und Fakten aus Geisenheim war besonders groß. „Wir haben aus der Praxis gehandelt“, sagte Franz Benz, nun liefere die Wissenschaft fundierte Erkenntnisse. „Das hat uns immer gefehlt“, erinnerte sich Winfried Köninger, einer der Pioniere im Kleinterrassenbau in der Ortenau. Im Weinberg der Familie Benz in Bottenau setzte die Erdbaufirma  Schwörer erstmals das Bauverfahren mit Raupe und Bagger ein, um die Kleinterrassen anzulegen.

Der Kleinterrassenbau mit dem sogenannten Schwörer-Verfahren hat sich danach zum Exportschlager in andere Bereiche Badens ,Hohenthiel (höchste Reblage Deutschlands),Kaiserstuhl sowie Weinanbaugebiete wie Mosel, Rheingau oder Franken entwickelt. In den Kleinterrassen lässt es sich einfacher arbeiten, die Arbeitsstunden konnten halbiert und Kosten gesenkt werden. Der nächste Schritt ist nun der Einsatz von maschinellen Vollerntern, „das ist nochmal ein Durchbruch.“

Landtagsabgeordneter Willi Stächele hatte 2002 als Finanzminister die Terrassenförderung auf neue Füße gestellt. Heute mahnte er, dass angesichts knapper werdender Kassen, der Verteilungskampf nicht zu Lasten des ländlichen Raums gehen darf. „Die Artenvielfalt im Weinberg muss es uns wert sein, dass wir für ihren Erhalt sorgen und Opferbereitschaft in unserem Handeln zeigen.“

Auch die Landesregierung misst den historischen Steillagen einen sehr hohen naturschutzfachlichen Wert bei. „Sie sind ein Markenzeichen und Voraussetzung für Spitzenweine“, betonte Matthias Sickmann vom Referat Garten-, Obst- und Weinbau im Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Das System finde weit über die Region hinaus Anerkennung, weil die biologische Vielfalt gefördert und der Pflanzenschutz weniger wird. Die Weinberge sind Kultur- und Freizeitraum und machen den Tourismus noch attraktiver. Ökonomie und Ökologie sind hier vereint.  Dank und Wertschätzung im Namen des Landkreises zollte Dr. Rainer Moritz, Leiter des Amts für Landwirtschaft. „Die Kultur- und Wohlfühllandschaft ist ein wichtiges Pfund dieser Landschaft. Das passt für Auge und Natur.“

 

Im Zuge der Fachgespräche wurde jedoch deutlich, dass sich auch in der Ortenau die Landschaft verändern wird, es zu Brachen kommen kann wie es sie zum Teil schon in Ohlsbach gibt. „Ich sorge mich um unsere Landschaft, denn seit zwei Jahren reißt es ein“, sieht Winfried Köninger die Veränderungen. Interessante Zahlen hierzu lieferte der Ortenauer Weinbauberater Johannes Werner. Von 2069 Hektar Steilhangreben zwischen Hohberg und Lauf sind 293 Hektar Kleinterrassen. Die größten Flächen befinden sich mit 147,5 Hektar im Raum Oberkirch, gefolgt vom Kinzigtal mit 64 Hektar. Der größte zusammenhängende Terrassenberg liegt mit 21 Hektar in Oberkirch-Haslach. 

Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Uni Geisenheim wertete auch der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbands, Peter Wohlfahrt als sehr wichtig für die Argumente gegenüber der Gesellschaft. Die Mosel mit ihren Landschaftszerstörungen zeigt deutlich: „Ändert sich die Landschaft, verliert der Tourismus und damit eine ganze Region.“ Der Querterrassenbau hilft dem Weinbau. Aber schon heute werden Rebhänge als Ausgleichsflächen teuer bezahlt. Dennoch ist es erklärtes Ziel der EU-Kommission, die Kleinterrassen in Europa zu erhalten, wenngleich der Fördertopf nicht aufgestockt werde, so Wohlfahrt. „Wenn die Gesellschaft das erhalten will, muss sie ihren Beitrag leisten“, sieht er alle in der Pflicht. Sickmann vom Ministerium berichtete am Beispiel Stuttgart, wie eine Kommunge ihre Steillagen mit Geldern fördert und somit am Leben hält. Franz Benz hatte zum Fachgespräch sechs Weine aus Ortenauer Terrassenlagen zur Verkostung gereicht, alles Premiumweine.


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